Gitarrenunterricht

Gitarrenunterricht Keyvisual

Wir haben wir einen Gitarrenlehrer befragt, was das Besondere und Schöne an der Gitarre ist, wie man Gitarrenlehrer werden kann, und ob sich Online-Unterricht lohnt.

Interview mit dem Gitarrenlehrer und Musiker Jürgen Schildmann

Bitte stellen Sie sich kurz vor

Mein Name ist Jürgen Schildmann und ich bin Musiker und Musiklehrer. Meinen ersten Gitarrenunterricht hatte ich mit 9 Jahren. Danach habe ich Musikpädagogik studiert und nebenbei in Bands und bei Soloauftritten 15. Lebensjahr meine ersten Bühnenerfahrungen gesammelt. Ich habe im Laufe der Zeit verschiedene Instrumente erlernt und auch unterrichtet (Gitarre, Saxophon, Keyboards, Ukulele) und fokussiere mich inzwischen wieder auf die Gitarre. Gelegentlich gebe ich Ukulelenworkshops.“

Was hat Sie dazu bewegt, Ihr Instrument zum Beruf zu machen?

„Nachdem ich erst einmal etwas Gitarre spielen konnte und dann auch noch Johnny Cash und Muddy Waters gehört habe, wollte ich gar nichts anderes mehr machen. Ursprünglich wollte ich Musiklehrer an einer Schule werden, habe mich dann aber zum Glück nach dem Studium umentschieden und lebe seitdem nur von Musik.“

Was ist das Schöne am Unterrichten/"beruflichen" Spielen?

„Mein Hauptinteresse liegt nach wie vor beim Spielen. Ich lebe mit der Musik, was kann es schöneres geben? Meine Gitarre hat mich bis in die USA gebracht, hat mir aber auch Türen zu Menschen und Orten geöffnet, die ich sonst nie kennen gelernt hätte. Durch das Unterrichten kann ich meine Liebe zum Instrument und zur Musik an die nächsten Generationen weitergeben.“

Was ist das Schöne an Ihrem Instrument?

„Die Gitarre ist das vielseitigste Instrument, das ich kenne. Von der Klassik bis zum Stoner Rock ist alles möglich. Dazwischen Blues, Jazz, Country, Folk, Flamenco … Es gibt auf diesem Instrument auch für mich immer noch Töne zu entdecken, die ich bisher nicht gefunden habe. Geht man an den Gitarrenunterricht undogmatisch heran, stellt man fest, dass es so viele Möglichkeiten und Spieltechniken gibt, wie es Spieler gibt.Wichtig in unserer Zeit: Die Gitarre ist ehrlich. Es kommt immer das heraus, was man mit den Fingern und manchmal dem ganzen Körper herein gegeben hat!

Dabei gibt es aber so viele verschiedene Spielweisen, dass jeder seinen persönlichen Ausdruck finden kann.“

Ist es leicht, Ihr Instrument zu erlernen?

„Es ist am Anfang nicht so schwierig, etwas herauszuholen, das nach Musik klingt (lacht). Danach gilt wie für alle anderen Instrumente, dass nach oben hin alles offen ist. Manche Techniken und Stile sind einfacher zu erlernen als andere. Ich jedenfalls lerne noch dazu.“

Muss man als Schüler besondere Fähigkeiten für dieses Instrument mitbringen?

„Ich würde nicht sagen, dass man – außer Musikalität – besondere Fähigkeiten braucht, um Gitarre spielen zu lernen. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass manche Leute eher für Saiteninstrumente geeignet sind, andere für Blasinstrumente und so weiter. Ich weiß nicht, warum das so ist, vermute aber, dass da ein unterschiedliches Denken erforderlich ist. Ausprobieren!“

Was ist Ihrer Ansicht nach der Vorteil von persönlichem Musikunterricht gegenüber Online-Musikunterricht?

„Ich habe einmal einen jungen Mann kennen gelernt, der Soli von Eric Johnson nachspielen konnte. Im Originaltempo! Wenn er er dann aus dem Stück herauskam, mußte er von vorn anfangen, denn konnte nur die Bewegungsabläufe, die er bei YouTube gesehen hatte, nachspielen, wusste aber an keiner Stelle, was er da tat. Er kannte keinen Akkordgriff mit Namen, konnte keinen einfachen Rhythmus mit einem Drummer mitspielen geschweige denn improvisieren. Das ist natürlich ein Extremfall, aber es ist das, was dabei herauskommt, wenn kein Lehrer da ist, der dem Schüler eine Grundlage verschaffen kann, die speziell auf diesen abgestimmt ist. YouTube-Videos können hilfreich sein, wenn man schon ein gewisses Level erreicht hat, ersetzen aber einen Lehrer niemals, da jeder Schüler sein eigenes Lerntempo und seine eigenen Schwierigkeiten hat. Dazu kommt, dass jeder sein Lehrvideo online stellen kann und diese oft fehlerhaft sind. Dieses kann ein Schüler aber nicht selbst bewerten und übt sich dann merkwürdige Fehler ein. Außerdem ist bei Videos ja die Reihenfolge, in der man lernt, beliebig und das führt zu chaotischem Halbwissen. Paradoxerweise nehmen Menschen aber alles, was im Internet steht, viel ernster als das wahre Leben, sodass ich oft in Diskussionen mit Schülern gerate, die vorher versucht haben, von YouTube zu lernen. Das behindert das Fortkommen des Schülers viel mehr, als es ihm nützt. Für Unterricht über Skype oder so etwas bin ich zu alt.“

Wie vielfältig ist das Lehrangebot für dieses Instrument?

„Unüberschaubar!“

Welche Möglichkeiten gibt es, das Instrument zu spielen? (Solo, Band, Ensemble)

„Vom klassischen Ensemble und Solo bis zur Big Band und Rockband ist alles möglich.“

Welche Musik-Genres gibt es für dieses Instrument?

„Da fragen Sie besser, in welchen Genres es NICHT vorkommt.“

 Wie ist das Angebot für ein Notenrepertoire?

„Das Repertoire ist riesig. Auch hier wieder aufpassen vor unprofessionellen Tabs aus dem Internet!

Lieber die Originale kaufen.“

Welche Motivations-Tipps haben Sie, wenn man mal keine Lust zum Üben hat?

„Ich persönlich probiere, wenn ich keine Lust habe, das übliche Repertoire zu üben, gern mal etwas Neues aus. Es darf auch mal originell sein.“

Wie gehen Sie mit "speziellen Schülern" (wie zum Beispiel unmotivierten Schülern im Unterricht) um?

„Ähnlich wie mit mir selbst. Ich drücke ihnen zu Beispiel eine E Gitarre in die Hand und lasse sie das Stück dann darauf spielen. Verzerrt. Bei den meisten hilft es. Wenn ein Schüler merkt, dass er diese für ihn selbst ganz neuen Klänge gerade selbst hervor bringt, wird es für ihn wieder interessant. Oder ich wechsele abrupt das Thema nach dem Motto 'Heute lernen wir mal einen neuen Akkord.' Dann ist es natürlich wichtig zu wissen, wie die musikalischen Vorlieben des Schülers aussehen und diese Musik dann so oft wie möglich einzubauen.Wenn jemand gar keine Lust hat, sollte er vielleicht mal versuchen, ein anderes Instrument zu erlernen.“


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Bildquelle: Bojan Milinkov / Shutterstock

 

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