Dudelsack und Sackpfeife

Ein besonderes und dennoch sehr bekanntes Holzblasinstrument ist der Dudelsack. Er wird auch Sackpfeife genannt und ist nicht bloß für schottische Volksmusik bekannt. In Märchen und Fabeln kommt die Sackpfeife in Jean de la Fontaines 'Der Wolf als Schäfer' und 'Hans mein Igel' von den Gebrüdern Grimm vor. Berühmte Kompositionen für die Sackpfeife sind Bicolas Chédevilles 'Les galanteries amusantes, Op.8' und Joseph Bodin de Boismortiers 'Op. 11: 6 Suites à 2 Muzettes', das in Paris 1727 erschien.

Das schottische Nationalinstrument

Historische Entwicklung

Der Begriff Sackpfeife steht seit dem 16. Jahrhundert als Sammelbegriff für dieses Instrument. Erstmals sprachen Sebastian Virdung im Jahr 1511 und Martin Agricola im Jahr 1529 diesen Begriff aus. Im Jahr 1642 hörte man erstmals das Wort Dudelsack. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde der Dudelsack weniger gespielt und erlebte seine Renaissance erst in den letzten Jahrzehnten. Unterschiedliche Foren, Materialien und Verwendungen werden von Sackpfeifern, die auch Dudelsackpfeifer oder Dudelsackspieler genannt werden, verwendet. Die historischen Ursprünge des Dudelsacks sind zwar nicht eindeutig belegbar, aber im 6. Jahrhundert scheinen durch ein persisches Relief aus Susa Vorboten zu deuten gewesen sein. Auch der griechische Komödiendichter Aristophanes , der vor 444 bis um 380 vor Christus lebte, verwendete möglicherweise die Sackpfeife in seinen Stücken. Seit der Antike entwickelte sich bis zum Mittelalter der Dudelsack weiter, denn ab dem 13. Jahrhundert sind in Holz- und Steinplastiken, Wandbemalungen und Handschriften Sackpfeifen vorzufinden. Auch gotische Kirchen weisen Darstellungen von Engeln und Dämonen mit Dudelsäcken auf. Die Vielfalt der Formen entwickelte sich zu dem Zeitpunkt. Sie bestanden aus bordunlosen Typen mit Schalltrichtern aus Horn, zwei gleich langen und parallelen Rohren und unterschiedlichen Verzierungen.

Bauformen in der Geschichte

Gedoppelte und zweifach gedoppelte Spielrohre sind eine weitere Variante, die wahrscheinlich zum Umschalten der Grundtöne diente. Laut Belegen der Manessischen Liederhandschrift gehörte der Dudelsack im Mittelalter zur höfischen Kultur, denn eine Darstellung des einbordunigen Instrumentes mit einem konischen Bordun belegt diese Tatsache. Die Rostocker Spielpfeife ist das einige Original der mittelalterlichen Sackpfeife. In der Renaissance und der Barockzeit war die Sackpfeife ebenso vertreten, wie eine Abbildung von Martin Agricola in seiner 'Musica Instrumentalis deudsch' zeigt. Auch in Frankreich ist der Dudelsack seit dem 18. Jahrhundert ein beliebtes, höfisches Instrument. Als Hirteninstrument wurde es im Rahmen der pastoralen Iodylle sehr hoch eingeschätzt und in der Musette-Musik gespielt. Mithilfe von Spielklappen sind Bauwerke des Dudelsacks aus dieser Zeit chromatisch zu spielen. In den folgenden zwei Jahrhunderten ging die Entwicklung der Sackpfeife in Europa zwar stark zurück, sodass sie nur noch bei Wandermusikern und Hirten eingesetzt wurde. Auch Kapellen mit sechs Dudelsackspielern und zwei Trommlern waren unterwegs bis nach England, Norwegen und in das Osmanische Reich. Geigen und Klarinetten verdrängten den Dudelsack in der Tanzmusik. Doch in Großbritannien hatten die schottischen Great Highland Pipes in der Militärmusik nach wie vor eine große Bedeutung. In den 1970er Jahren erwachte das Interesse für den Dudelsack durch die Popularität der Folkmusik. Mittelalterfeste belebten durch den Mittelalterrock das Instrument neu.

Spielweise und Herstellung

Beim Spielen wird durch Armdruck aus einem Luftsack die Luft in die Spiel- und Bordunpfeifen geführt. Die darin sich befindenden Doppelrohrblätter oder auch Einfachrohrblätter erzeugen die Töne. Wie bei jedem Holzblasinstrument erzeugen die Grifflöcher am Spielrohr die Melodien. Der gleichbleibende Dauerton entsteht durch die Bordunpfeifen, deren Töne meist tief und satt klingen. So entsteht mit den höher klingenden Melodiepfeifen eine für die Sackpfeife charakteristische Mehrstimmigkeit. Verwandte Instrumente sind das walisische Pibgorn und das Platerspiel, bei dem ebenfalls eine Tierblase als Luftreservoir dient. Auch die Orgel und Akkordinstrumente erzeugen mit Hilfe eines Luftbalges ihre Töne. Abgedichtetes Leder dient zur Herstellung des Luftsacks, dessen Material oft Ziegenhaut ist. So leitet sich der Begriff Bockpfeife her. Synthetisches Material wird heute ebenfalls verwendet und die Überzüge sind aus Stoff hergestellt. Die diatonische und reine Stimmung ist charakteristisch für die meisten Dudelsäcke. Früher wurden Wachs, Hirschtalg oder Kitt für die Feinabstimmung der Tonlöcher verwendet. Isolierband kann die Löcher verkleinern. Zwei Spielpfeifen hat bei der sizilianischen Zampogna und ermöglicht somit ein zweistimmiges Melodiespiel mit geringem Tonumpfang.

Tonerzeugung

Bläst der Spieler mit dem Mund durch ein Anblasrohr den Sack auf, entsteht ein Ton. Dieser Blasebalg wird regulär mit dem Arm bedient, doch der spanische Sackpfeifenbauer Seivane baut auch fußbediente Blasebälge. Ein Rückschlagventil verhindert den Rückstrom der eingeblasenen Luft. Der konstante Luftdruck entsteht durch das Drücken des Sacks gegen den Körper des Spielers.

Die Spielpfeife mit zylindrischer oder konischer Bohrung weise Dynamikunterschiede auf, denn die konische Bohrung klingt lauter. Instrumente aus Messing wurden im 19. Jahrhundert gebaut, doch Tonhölzer sind gängiges Material für die Spiel- und Bordunpfeifen. Im Mittelmeerraum sind die bordunlosen Sackpfeifen sehr verbreitet. Sie haben zwei parallele Spielrohre mit teilweise parallelen oder unterschiedlichen Bohrungen. Mit flachen Fingern oder gleichzeitig können sie gegriffen werden und klingen unisono. Bordunpfeifen können auf mehrere Töne gestimmt oder einzeln stumm geschaltet werden, sodass sie in verschiedenen Tonarten zu spielen sind. Eine oder zwei Bordunen sind häufig bei Dudelsackformen vorzufinden. Überblasbare Spielpfeifen ermöglichen es, dass die Bordune Druckschwankungen gegenüber nicht sehr empfindlich sind. Tonhöhen und Klang sind dadurch variabel und bei der gedackten Bordune können sogar beim Öffnen von Klappen unterschiedliche Tonhöhen erklingen lassen. Mit dem Stock, eine Hülse, werden die Spiel- und Bordunenpfeifen mit dem Luftsack verbunden. Offene und geschlossene Griffweisen sind beim Dudelsack gängig. Bei der geschlossenen Griffweise werden in der Grundstellung alle Grifflöcher von den Fingern abgedeckt. Öffnet man die Löcher, entstehen ebenso wie bei der Blockflöte andere Töne. Zwei Töne werden getrennt, wenn ein anderer Ton kurz zwischen gespielt wird. Verzierungen haben sich aus dieser notwendigen Gegebenheit entwickelt.

Die unterschiedlichen Begriffe in den Ländern

Die Schäferpfeife oder auch Marktsackpfeife ist in Deutschland sehr modern. In der Schweiz wird der Dudelsack Sackpfiff genannt, in den Niederlanden Pijpzak oder Dodedelzak. In Böhmen und Österreich heißt er Bock und in Polen Dudy, Koziol und Koza. In Tschechien und der Slowakei wird er Dudy und Gajdy genannt. Bewegt man sich auf der Landkarte nach Nord- und Nordosteuropa, findet man in Schweden die Begriffe Säckpipa, in Estland das Word Torupill und in Lettland die Bezeichnun Dudas. In der Ukraine und in Russland wird der Dudelsack Volynka genannt. In Frankreich haben sich die Begriffe je nach Region Binioù, Chabrette und Veuze durchgesetzt, auf den iberischen Halbinseln wie etwa Mallorca nennt sich der Dudelsack Xeremía. In Italien wird der Dudelsack Piva oder Zampogna genannt. Auf Kreta in Griechenland heißt der Dudelsack Askomantoura.

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