Der Synthesizer – das beliebte Kult-Instrument

Der Synthesizer ist seit jeher ein beliebtes Tasteninstrument, dessen Spielmöglichkeiten sich stets ausweiten. Musiker aller Altersklassen spielen und experimentieren gerne mit diesem besonderen, elektronischen Instrument. Es folgt ein Überblick über Geräte, Tipps und die Entstehungsgeschichte des Synthesizers.

Elektronisches Multi-Talent

Tipps von Synthesizer-Spielern für Anfänger

Multi-Instrumentalist Helmut Sprick erklärt, was ein Synthesizer ist: „Ursprünglich ist der Synthesizer ein analoges Soundmodul, das synthetische Töne und Klänge erzeugt – ganz im Gegensatz zu klassischen Instrumenten – diese aber klanglich auch imitieren kann. Er funktioniert auf der Basis verschiedener Frequenzen und Kurven wie Sägezahn, Sinus und so weiter. Angesteuert wird er meist durch ein Keyboard mit Tastatur, also der Klaviatur. Es gab ursprünglich große Geräte mit Steckverbindungen der einzelnen Untermodule, häufig nur mit Mono-Klängen und Tönen wie zum Beispiel dem Moog-Synthesizer. Später gab es auch kleinere Geräte wie den Mini Moog, Korg und Arp zur experimentellen Bereicherung der Musik als Solo – Instrument. Dann wurde er akkordfähig, um auch auf nicht experimenteller Ebene zu musizieren. Dafür eigneten sich der Solina Strings und der Yamaha DX7. Klassische Instrumente wie Piano, Orgel, Strings, Brass und Drums konnten ersetzt werden. Handelsüblich sind Synthesizer ohne Klaviatur wie der Expander, der über Midi-Anschlüsse in nur einem Gerät mit Tastatur angesteuert wird. Das analoge Soundmodul wird heutzutage häufig aber nicht nur durch digitale Bausteine ersetzt. Man kann mit dem Synthesizer in einer Band, allein spielen oder auch Aufnehmen. Sicherlich gibt es auch Unterricht. Allerdings ist es hilfreich, sich vorher schon mal mit einem klassischen Tasteninstrument beschäftigt zu haben, um die Synthesizer-Elemente später sinnvoll mit allen Funktionen einsetzen zu können. Man sollte erst mal Fingerfertigkeit und die Basis erlangen und trainieren. Dazu gehört Kenntnisse in  Harmonielehre auf einem klassischen Tasteninstrument. Hat man allerdings einen üblichen Sound wie den der Orgel oder des Klaviers mit einer entsprechenden Tastaturgröße in einem Gerät, kann man ja gleichzeitig loslegen. Auch ein Master-Keyboard gekoppelt mit weiteren Funktionen wie dem Modulationsrad, Portamento und dem Joystick, das Computersounds ansteuert, ist durchaus üblich. Ein Contoller mit einer kleineren Tastatur sollte erst später eingesetzt werden.“

Alle Genres sind spielbar

„Heutzutage können alle Genres im Live- und Studiobetrieb bedient werden. Auch Komponisten und Arrangeure benutzen  eine Tastatur mit geeigneten Computerprogrammen. Wenn man Bands covert, versucht man, mit dem Synthesizer den prägenden Sound zu kopieren. Das ist aber schwierig, weil man die ursprünglichen Einstellungen nicht kennt und jeder Musiker ein anderes Gerät benutzt. Eine vielleicht problemlösende Keyboard/ Synthesizer-Burg wird meistens durch Platzmangel verhindert. Also versucht man, mit nur einem Gerät den individuellen authentischen Sound zu erzeugen. Gelingt der Kompromiss, kann das im Gesamteindruck gut klingen und Spaß machen. Keith Emerson, Herbie Hancock und viele weitere sind berühmte, musikalische Syntesizer-Spieler.“ Die Musikerin und begeisterte Synthesizer-Spielerin Jasmina De Boer ergänzt: „In den letzten Jahren ist der 1980iger Sound wieder populär geworden und an allen Ecken tauchen Synthesizer auf. Sei es in der Kultserie wie 'Stranger Things' oder im Soundtrack zu 'Drive'. Die 1980er sind zurück! Mir gefällt zum Beispiel der Sound von 'Bergfilm' besonders gut. Auch  ein Geheimtipp ist Putzecat, der mit seiner Synth-Burg analogen Elektro zaubert.  Aber auch Artists wie zum Beispiel Noga Erez, die auf der Bühne gar keine Synthesizer benutzt, kreiert ihren Sound analog. Aus den Anfängen der Vorgeneration finde ich Experimentelles spannend wie zum Beispiel Daphne Oram.“

Kein spezieller Synthesizer-Unterricht

Jasmina weiß aus Erfahrung: „Spezifischen Synth-Unterricht gibt es glaube ich nicht. Und dann hängt es echt davon ab, was die Person vorhat. Soll es in Richtung Popmusik gehen, kann ein Keys-verwandter Unterricht mit Schwerpunkt Popmusik cool sein. Schlägt dein Herz für Jazz oder Klassik, dann ab in den klassischen Klavierunterricht. Egal wie, Hauptsache, es erfüllt dich und du machst es. Wie bei jedem Instrument oder der Stimme ist mein Haupttipp, anzufangen, zu üben, viel auszuprobieren und die Leidenschaft und den Spaß dabei nicht aus den Augen zu verlieren. Ich denke, da gibt es wie immer kein Patentrezept. Die intrinsisch motivierten werden spielen, stecken, löten und flexen, ohne je in einen Unterricht zu gehen und mit Freude und Mut alles mal ausprobieren. Da finde ich es super, dass es so viele Tutorials gibt. Aber sich einen Input von anderen Synth-Nerds zu holen finde ich auch gut, mal in das  Setup der Favourite-Band zu schauen, nach einem Konzert zu fragen, wie die das eigentlich alles machen um dann Zuhause auszuprobieren, ob Mensch das auch hinbekommt.“

Die Begeisterung für Synthesizer

Jasmina erzählt, was sie am Synthesizer begeistert: „Ich habe vorher alle Sounds mit digitalen Instrumenten erzeugt. Dann haben wir in der Band begonnen, mit analogen Synthesizern zu arbeiten. Der Klang ist direktwertiger und füllt viel mehr Frequenzräume. Das macht in der Produktion Spaß und ermöglicht uns als Band eine Weiterentwicklung im Sound. Live macht es mir Spaß, einen Sound zu flexen und meinen Moog als Instrument mit auf der Bühne zu haben. Ich finde die Mischung toll, zum einen meinen analogen Begleiteter und zum anderen die Möglichkeit über Ableton alle Synth Sounds aufzuräumen,vernünftige EQ`s zu ziehen, meine Vokaleffekte und Samples zu verwalten und mein Live-Set über Ableton laufen zu lassen. So habe ich das beste aus beiden Welten. Einen Nachteil für live finde ich, dass ich im Gegenteil zu digitalen Instrumenten meinen Synth aufwärmen und ihn auch nachstimmen muss. Daran musste ich mir erst mal gewöhnen. In der Produktion finde ich es zum einen wirklich cool, dass ein Synth Sound von sich aus schon eine Menge Frequenzen und Fülle mitbringt, aber da ist dann auch kein Platz mehr für anderes. Also gilt es dann wieder die Sounds auszudünnen und so zu bearbeiten, dass auch noch andere mitspielen dürfen und gehört werden. Natürlich ist auch Geld dann immer eine Frage. Ein digitales Softwareinstrument ist erst mal verlockend, weil es so viele Möglichkeiten bietet und ich für das Dreifache gefühlt eine begrenzte Auswahl an Sounds bekomme. Wenn ich mir nur einen Synth leisten kann.“ Multi-Instrumentalist und Tonmeister Thomas Noack ergänzt: „Schon seit den 1920er Jahren haben Menschen versucht, synthetische Klänge zu erzeugen. Einer der Wichtigsten war Lew Theremin und Martenot. Schon klassische Komponisten setzten solche Synthesizer ein. Hindemith, Messian, Milhaut. Da hießen sie noch Theremin und Onde Martenot. Anfang der 1930er Jahre erfand der Deutsche Trautwein das Mixtur Trautonium. Hierauf spielte der Komponist Oskar Sala die Musik des Hitchcock Films 'Die Vögel'. Ende der 1960er Jahre erfand Bob Moog den Synthesizer. Fortan hießen alle Geräte, die mit elektronisch erzeugten Wellenformen und Modulatoren Klänge erzeugen, Synthesizer. Ich habe ziemlich viel mit den Komponisten zu tu gehabt, die für diese alten 'Synthesizer' komponiert haben. Die Kompositionen wurden aufgeführt und ich musste mir Gedanken machen, wie man ein Onde Martenot realisieren könnte. Ich habe auch Oskar Sala persönlich getroffen. Die Philharmoniker haben mich im vergangenen Februar in einem Konzert zwei Solostücke spielen lassen, als Abschiedsgeschenk. Da habe ich 'Tico Tico' auf der Orgel und ein Stück auf der Säge gespielt. In der gleichen Veranstaltung hat Rolf Sudmann ein Stück auf dem Trautonium von Hindemith gespielt. Kurz: Ich bin immer wieder mit Synthesizern der Frühgeschichte konfrontiert gewesen.“