Schlagzeug für Kinder – Bericht eines Schlagzeuglehrers

Schlagzeug für Kinder Keyvisual

Das Schlagzeug ist ein sehr beliebtes und vielseitiges Instrument. Aufgrund seines Umfangs und seiner Lautstärke müssen Drummer jedoch einige Besonderheiten beachten. Um Kinder ideal auf ihre musikalische Zukunft als Trommler vorbereiten zu können, gibt der Schlagzeuglehrer und Musiker Markus Strothmann wertvolle Tipps.

Interview mit dem Schlagzeuglehrer Markus Strothmann

Früh übt sich

Das Schlagzeug ist ein sehr beliebtes und vielseitiges Instrument. Aufgrund seines Umfangs und seiner Lautstärke müssen Drummer jedoch einige Besonderheiten beachten. Um Kinder ideal auf ihre musikalische Zukunft als Trommler vorbereiten zu können, gibt der Schlagzeuglehrer und Musiker Markus Strothmann wertvolle Tipps.

Keine besonderen Fähigkeiten

„Grundsätzlich kann jedes normal entwickelte Kind Schlagzeug spielen. Es gibt durchaus verschiedene Veranlagungen. Einigen Kindern fällt beispielsweise Koordination oder Stockhaltung sehr leicht, während das für andere in der gesamten schlagzeugerischen Laufbahn eine Herausforderung bleiben kann. Grundsätzlich gilt: Es soll den Kindern vor allem Freude bereiten, egal wie positiv oder negativ ihre Veranlagungen für das Instrument sind.“

Das ideale Einstiegsalter

„Ein gutes Einstiegsalter ist meiner Erfahrung nach sechs. Manchmal gibt es Fünfjährige, die eine gute Veranlagung für das Instrument mitbringen und denen der Unterricht daher bereits leicht fällt. So etwas lässt sich in einer Probestunde mit einem erfahrenen Lehrer gut klären. Sollte man feststellen, dass der Einstieg noch zu früh ist, kann man eine weitere Probestunde nach einem Viertel– oder halben Jahr vereinbaren.“

Ein gutes Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer

„Wichtig ist ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis. Man arbeitet eine lange Zeit gemeinsam und da ist es wichtig, dass beide Parteien sich gut verstehen. Die Wahl des passenden Schlagzeuglehrers oder der passenden Musikschule kann auch sehr entscheidend sein. Der Musikschule sollte es vor allem darum gehen, dass die Kinder lernen, Musik zu machen, und das sollten sie durch Angebote wie Bandspiel, Schülerkonzerte oder Festivals auch praktisch ermöglichen. Man sollte dabei natürlich nicht die Theorie oder das Notenlesen außen vor lassen. Der Fokus sollte aber klar beim Musikmachen liegen und eben nicht beim trockenen, ewigen Wiederholen von Seite 20 der Standardlektüre.“

Interessante Lernkonzepte

„Ein interessantes Konzept hierzu habe ich bei einer Musikschule in Enschede gesehen, wo ich ein paar Mal Vertretungsunterricht gegeben habe. Dort hatte man pro Woche nur 23,5 Minuten Hauptfachunterricht am gewählten Instrument und ebenso 45 Minuten Bandcoaching die Woche. Da ich in derselben Stadt an der Musikhochschule studiert und später unterrichtet habe, konnte ich mir vom Erfolg dieses Systems ein gutes Bild machen. Meist schienen mir die niederländischen Studenten, die auf diese Art Musikschulunterricht erhalten haben, im Zusammenspiel routinierter als die deutschen Studenten im ersten Studienjahr.“

Spielerisch spielen

„Bei Kindern im Einstiegsalter ist es empfehlenswert den Unterricht durch kleinere Spiele, die musikalischer Natur sein sollten, aufzulockern. So kann man durch Tiernamen anhand der Anzahl und Betonung der Silben gute Vor– und Nachspiel-Spiele erstellen. Außerdem sollten die Kinder einen Bezug zu ihrem Instrument entwickeln. Ich stelle immer wieder fest, dass es den Schülern schwerfällt, ohne jegliche Anweisung irgendetwas am Instrument zu machen. Das übe ich im Unterricht gerne mit ihnen, damit sie auch wissen, was sie ohne mich mit ihrem Instrument für Möglichkeiten haben. Hier kann es auch hilfreich sein, den Schülern zu zeigen, wie sie sich eigene Übungen ausdenken, was vermutlich eher in einem fortgeschrittenen Alter machbar ist.“

Die Sets für Kinder

„Bei den Schlagzeugen selber kann man nicht viel falsch machen. Man sollte darauf achten, dass die Hardware, also die Stangen und Halterungen, einen soliden Eindruck macht, da diese bei schlecht produzierten Schlagzeugen schnell kaputtgehen kann. Es lohnt sich meistens, in neue gute Felle zu investieren, da diese meist eine große Steigerung der Klangqualität mit sich bringen. Das empfiehlt sich übrigens häufig auch bei werksneuen Instrumenten, da die Felle, die ab Werk aufgezogen werden, häufig von schlechter Qualität sind. Wo man etwas mehr Geld in die Hand nehmen sollte, sind Becken. Es gibt da sehr billige Produkte, die leider furchtbar schnell reißen und überhaupt nicht gut klingen. Es gibt aber definitiv gute handgemachte türkische Becken zu moderaten Preisen. Bei Becken und Schlagzeugen sollte man nicht vergessen, dass der Wertverfall nicht allzu groß ist. Man kann meistens alles gut weiter verkaufen. Wenn das Kind also keine Freude mehr am Instrument hat, ist das kein riesiges Problem.“

Das E-Drum auch für Kinder als Alternative für Mietwohnungen

„Darüber hinaus wird man natürlich häufig auf die Problematik angesprochen, dass Schlagzeuge sehr laut sind und viele Kinder in Mietwohnungen wohnen. Zum Glück ist der Markt der elektronischen Schlagzeuge inzwischen sehr weit entwickelt. Es gibt auch für Einsteiger gute Angebote. Man sollte darauf achten, dass die Pedale des Schlagzeugs eine Trittschalldämpfung haben.“

Kosten kalkulieren

„Ich kann für Kosten keinen Mittelwert nennen, weder für Unterricht noch für das Instrument. Die Kosten für den Unterricht können sehr verschieden ausfallen. Musikschulen haben je nach Region unterschiedliche Tarife. Ebenso gibt es bei Privatdozenten je nach Ausbildung ganz unterschiedliche Kurse. Wobei ich persönlich darauf achten würde, dass der Dozent, für den man sich entscheidet, eine gute Ausbildung besitzt. Hier sollte man auch bei Musikschulen nachhaken: Nicht an jeder Musikschule arbeiten ausschließlich ausgebildete Fachkräfte.Für das Instrument schwanken die Kurse je nachdem, wo man einkauft und wofür man sich entscheidet, auch enorm. Durch die verschiedenen Angebote vom Flohmarkt über Online-Kleinanzeigen bis zum Musikladen habe ich bei Schlagzeugen schon alle Preise von 10 € bis 10.000 € gesehen. Hier hilft es sicherlich, sich beim Dozenten schlau zu machen, wie die regionalen Angebote aufgestellt sind. Manchmal hat der Dozent auch selber Schüler, die ihre eigenen Instrumente gebraucht weiter verkaufen. Oder er kennt die regionalen Fachgeschäfte, wo man in der Regel professionelle Beratung erhält, die auf die Bedürfnisse gut abgestimmt ist. Manchmal vermieten Musikschulen oder Geschäfte auch Instrumente. Empfehlenswerte Marken sind Premier Drums, Masterwork Becken und Regal Tip Sticks. Der Markt ist ziemlich groß.“

Übungstipps

„Es ist wichtig, dass der Lehrer mit den Kindern darüber spricht, wie viel sie am Tag üben. Wenige Minuten an den meisten Tagen der Woche sind bedeutend besser, als diverse Stunden am Tag vor dem Unterricht. Es ist außerdem wichtig, dass das Kind immer weiß, warum es etwas übt. Für motorische Übungen habe ich die Erfahrung gemacht, dass langsame Übungen mit häufigen Wiederholungen besonders gut funktionieren.“

Tipps bei mangelnder Motivation

„Wenn das Kind mal unmotiviert ist, sollte man keine Panik bekommen. Dass das eigene Interesse zum Instrument im Laufe der Zeit schwankt, ist völlig normal. Das ging mir sogar im Studium noch so. Es wird Phasen geben, in denen das Kind gerne übt und auch Phasen, in denen es überhaupt nicht übt. Wichtig ist, dass der Spaß am Unterricht erhalten bleibt. Sollte der über einen längeren Zeitraum einbrechen, hilft das persönliche Gespräch mit dem Dozenten. Jeder Dozent ist natürlich in seiner Routine verankert. Daher kann, besonders in Gruppen, bei einem stillen Kind der Verlust des Interesses manchmal nicht auffallen. Wenn man den Dozenten darauf hinweist, hat er die Möglichkeit, auf die Bedürfnisse des Schülers flexibel einzugehen und hoffentlich den Spaß zu steigern.“

Einzel- oder Gruppenunterricht

„Die Frage nach Einzel– oder Gruppenunterricht ist eine sehr interessante. Da wird es unterschiedliche Erfahrungen geben. Ich habe früher ausschließlich Einzelunterricht gegeben und unterrichte inzwischen an zwei Musikschulen, an denen auch Gruppenunterricht angeboten wird. Mir persönlich gefällt inzwischen der Gruppenunterricht besser. Die soziale Komponente der Gruppen untereinander führt dazu, dass die Kinder länger am Ball bleiben. Sie besuchen die Musikschule, um das Instrument zu erlernen, aber eben auch um ihre Freunde – die Gruppenpartner – zu treffen. In dieser Konstellation kann man die Kinder auch besser auf das gemeinsame Musizieren vorbereiten, da sie mit ihren Gruppenpartnern und dem Dozenten gemeinsam spielen. In verschiedenen Übungen kann man so auch im Schlagzeugunterricht Bandsituationen simulieren.“

Genrevielfalt

„Es lassen sich alle Genres mit dem Schlagzeug spielen. Ja, wirklich alle. Selbst die, in denen kein natürliches Schlagzeug vorkommt, sind so sehr auf Rhythmus fokussiert, dass man sie mit einem akustischen Schlagzeug auf die eigene Art und Weise interpretieren kann. Ebenso interessant kann es natürlich sein, im Unterricht am Elektronik-Schlagzeug diese Musik authentisch zu trommeln. Oder ein akustisches Schlagzeug so zu präparieren, dass elektrische Sounds imitiert werden können. Bei Musik, die keinen rhythmischen Fokus hat, kann man mit Klangmalereien arbeiten…und, und, und!“