Besondere Musikinstrumente

Hydraulophon Keyvisual

Allgemein bekannte Instrumente wie die Gitarre, das Klavier und das Schlagzeug sind populär, doch es gibt darüber hinaus weitere, weniger bekannte und dennoch berühmte Instrumente. Ob transportabel oder nicht – eine Auswahl wird vorgestellt.

Die Vielfalt der Klänge

Die Meeresorgel

An der Uferpromenade von Zadar liegt die berühmte Meeresorgel. Sie ist aus einigen Reihen von Treppen gebaut, die ins Meer hinabführen und wirkt daher wie eine spezielle Küstenformation. Sie wurde 2005 nach Anleitung des Architekten Nikola Bašić gebaut. Er erhielt vom Sachverständigen für die Meereshydraulik namens Prof. Vladimir Andročec Unterstützung. Die  Ingenieurswissenschaftliche Fakultät in Zagreb leistete ebenfalls einen Beitrag. Die Rohre wurden von Goran Ježina aus Murter angefertigt und die bekannte Orgelbauerwerkstatt Heferer aus Zagreb entwickelte 35 Labien, die Pfeifen, für jedes einzelne Rohr. Die deren musikalische Stimmung übernahm Prof. Ivica Stamać aus Zagreb. Über siebzig Meter erstreckt sie sich senkrecht zur Küste und birgt 35 Rohre verschiedener Längen, Durchmesser und Neigungen unter sich. Die Labien stecken auf diesen Rohren und können sieben Akkorde aus fünf Tönen spielen. Durchbrochene Steinstufen oberhalb des Kanals wir der Ton als vom Meer gepresste Luft erzeugt. Menschliche Ideen und Techniken verbinden sich an diesem Ort mit der Energie des Meeres und seinen Wellen. Wasserstand, Flut, Ebbe – all diese natürlichen Parameter laden als Entspannungsort ein. So erhielt Nikola Bašić für das Projekt der Zadarer Meeresorgel 2006 den Europäischen Preis für einen städtischen öffentlichen Raum in Barcelona und setzte sich gegen 207 andere Projekte durch.

Das Gemüseorchester

Seit fünf Jahren gibt es das Wiener Gemüseorchester, das sich offiziell auch The Vegetable Orchestra nennt. Jürgen Berlakovich, Nikolaus Gansterer, Susanna Gartmayer, Barbara Kaiser, Matthias Meinharter, Jörg Piringer, Ernst Reitermaier, Richard Repey, Ingrid Schlögl, Ulrich Troyer, Tamara Wilhelm und Martina Winkler nutzen sämtliche Gemüsesorten als Instrumente. Zu Beginn wurden lange Rüben benutzt, dann folgte der Kürbis als Bassdrum, der Lauch als Geige und andere naturbelassene und spezifisch bearbeitete Sorten. Mit Messern, Fräsen und Bohrmaschinen werden sie bearbeitet. Karotten dienen als Mundstücke. Im Konzert werden die meist akustisch bearbeiteten Instrumente mit Mikrofonen und Pick-ups verstärkt und nach dem Konzert verkocht und gemeinsam mit dem Publikum gegessen. Die Tontechnik ist eine wahre Herausforderung, sodass Christina Bauer, Klaus Hallmann und Lutz Nerger als Tontechniker beschäftigt werden. Die CD-Produktionen Gemise (1999), Automate (2003) und  Onionoise (2010) gehören zu ihren Werken. Festivals wie das Sonár in Barcelona gehören seit der steigenden Popularität zu den Auftritten des Gemüseorchesters und auch Coverversionen von Kraftwerk und Radian gehören zum Programm. Eine Gemüseorgel ist das neue Forschungsprojekt und auch Hybridinstrumente sowie die audiovisuelle Entwicklung spielen eine signifikante Rolle.

Das Hydraulophon

Das Instrument wurde von Steve Mann erfunden und benannt. Es gleicht einem Holzblasinstrument. Als tonales akustisches Instrument ist das Hydraulophon im direkten physischen Kontakt mit Wasser oder anderen Flüssigkeiten der hydraulisch beeinflussten Tonerzeugung ausgesetzt. Der Spieler berührt beim Spielen die Flüssigkeit, die dann den Ton erzeugt. Mit dem Hydraulophon kann man auch Flüssigkeitsbewegungen detektieren und messen. Wasserverbrauch, welche Toilette in einem Gebäude benutzt wird und auch die Vermittlung von Sinneseindrücken bei Sehbeeinträchtigten Personen sind weitere Funktionen des besonderen Instrumentes. Für die Musik wird der Wasserstrom durch bestimmte Löcher, Wellen oder Ventile mit den Fingern des Musikers blockiert. So gleich es einer Lochsirene. Blockiert ein Fingerloch den Fluss des Wasser, wird es umgeleitet. Kreisförmige Reihungen der Scheiben haben eine unterschiedliche Anzahl an Löchern für die Erzeugung verschiedener Töne. Auch schwingende Blättchen wie die einer Klarinette sind üblich. Manche gleichen einer Blockflöte. Bei Unterwasser-Hydrophonen dient eine elektrische Verstärkung zur Simulation von Effekten einer elektrischen Gitarre. Wie bei einer MIDI-Schnittstelle kann mit einem Computer ein Ton eines anderen Instrumentes dadurch erzeugt werden. Es gibt diatonische Hydraulophone mit zwölf Wasserstrahlen mit einem Tonumfang vom A bist über anderthalb Oktaven hin zum e. Wie bei einer chromatischen Mundharmonika ist es möglich, Akkorde in verschiedenen Tonhöhen zu spielen. Stahl-chromatische hHydraulophone in Parks oder Schwimmbädern besitzen ebenfalls zwölf Düsen, Konzert-Hydraulophone hingegen 45. Diese haben  einen Tonumfang von 3½ Oktaven von A bis E und sind ebenfalls chromatisch. Das As und das tiefste A kommen hinzu. So entsprechen 45 Düsen 45 Noten. Hersteller sind WhiteWater West in British Columbia, SCS Interactive in Ogden, Utah in den USA und FUNtain Corporation in Toronto, Ontario in Canada.

Die Klassifizierung nach Aristoteles

Die Klassifizierung der Hydraulophone erfolgt nach Aristoteles' Elementen. Wasserflöten sind Hydraulophone ohne Blättchen, Einzel-Blättchen-Hydraulophone besitzen dem Namen nach ein Blättchen pro Fingerloch. Es folgen  Doppel-Blättchen-Hydraulophone mit zwei Blättchen pro Fingerloch und Poly-Blättchen-Hydraulophone mit mehr als zwei Blättchen pro Fingerloch. Gaiaphone sind Instrumente, dessen Ton durch Materie in ihrem festen Aggregatzustand  entsteht. Ein Beispiel ist das Piano. Bei Chordophonen wird der Ton durch feste Substanzen produziert, deren Querschnitt wesentlich kleiner ist als ihre Länge. Zu ihnen gehören die Violine, Gitarre und der E-Bass. Membranophone sind Trommeln, weil bei ihnen die Oberfläche dünner als die Ausdehnung ist. Idiophone erzeugen durch einen dreidimensionalen, festen Gegenstand einen Ton. Kristallophon, Glasharmonika, Xylophon, Metallophon und viele weitere Instrumente gehören zu dieser Gruppe. Aerophone leiten sich vom Begriff Luft und Gas ab und lassen ihren Ton durch Materie in ihrem gasförmigen Aggregatzustand entstehen. Holzblas- und Blechblasinstrumente sind Beispiele.  Plasmaphone oder auch Ionophone erzeugen durch Materie, dem Plasma, einen Ton in hochenergetischem Aggregatzustand. Quintephon leitet sich von Quintessenz und Gedanken ab und erzeugt einen Ton auf informationstechnischer Basis mit der gedanklichen Beeinflussung von Geräten wie beispielsweise Computern, die zwischengeschaltet werden. So ist zu erkennen, dass die Klassifizierung nach der umgebenen Materie stattfindet, denn sie beeinflusst den Klang. Festkörper-, Flüssigkeits- und Gas-Instrumente sind also die Gruppe.

Das Theremin

Das Theremin wurde 1920 von dem Russen Lew Termen erfunden und ist ein elektronisches Musikinstrument. Das Telharmonium aus den 1890er ist sein Vorläufer. Der Instrumentenbauer Robert Moog baute Theremine in seiner Jugend und entwickelte sie für seine ersten Synthesizer weiter. Seine Besonderheit ist, dass es ohne Berührung einen Ton erzeugt. Die elektrische Kapazität eines menschlichen Körpers beeinflusst ein elektromagnetisches Feld.  Die Hände des Musikers steuern durch ihre Position die Stärke der Tonveränderung über zwei Elektroden, die Antennen. Ein Lautstärker verstärkt das Tonsignal. Eine Hand verändert die Tonhöhe, die andere die Lautstärke des Tonsignals. So muss der Musiker sich allein auf sein Gehör verlassen. Etwa 40 bis 50 Zentimeter um die Antenne herum ist der Einflussbereich, sodass auch Arme und Körper des Spielers den Ton beeinflussen können. Ein Glissando und Vibrati sind dadurch möglich und es besteht keine Beschränkung auf Tonleitern. Clara Rockmores und Lydia Kavinas spezielle Fingertechnik ermöglichte ein glissandofreies Spielen. Die Position der Finger verändert sich, Hand und Arm nicht. Möchte man die Klangfarbe verändern, dient die Justierung unterschiedlicher Knöpfe diesem Zweck. So arbeiten Theremine als kapazitive Abstandssensoren. Der Spieler ist durch seine Masse geerdet und verändert über die Elektrode einen LC-Schwingkreis eines Oszillators. Frequenz, Dämpfung und der Anteil des Schwingungskreises werden durch seine Hände beeinflusst. In neuer Musik, Science-Fiction-Filmen und auch experimenteller Popmusik kommt das Theremin zum Einsatz, bleibt aber ein Nischen-Instrument. Sein außergewöhnlicher Klang ähnelt einem Klagenden Weinen und eignet sich daher für bedrohliche Szenen ebenso wie für komische Effekte.

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Bildquelle: Glogger at English Wikipedia (CC BY-SA 3.0)